
Große Anfrage der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und Die Linke
Gute Arbeitsbedingungen und unbefristete Stellen an den Bremischen Hochschulen sind die Basis für eine nachhaltige Forschungskultur: Sie ermöglichen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, stärken die Teilhabe von Frauen in Wissenschaft und verhindern, dass hochqualifizierte Fachkräfte und Innovationskraft „verlorengehen“.
Der „Rahmenkodex zu den Vertragssituationen und Rahmenbedingungen von Beschäftigungen an den staatlichen Bremischen Hochschulen“ wurde im Jahr 2016 von der Senatorin für Wissenschaft, den Hochschulleitungen des Landes Bremen, den Beschäftigungsvertretungen, Frauenbeauftragten, Gewerkschaften und der Arbeitnehmerkammer beschlossen. Der Kodex ist zwar rechtlich nicht bindend für die Fakultäten des Landes Bremen, wird aber als eine Selbstverpflichtung der Hochschulen verstanden, die Beschäftigungsverhältnisse zu verbessern und umzustrukturieren. Schwerpunkte des Kodex sind die Schaffung dauerhafter Stellen, die Einführung neuer Personalkategorien, klar definierte Aufgabenstellungen der Lehrenden sowie die Angleichung geschlechtsspezifischer Ungleichheiten. Zu neuen Personalkategorien gehört es auch, Personen unabhängig von Professor*innen einzustellen – um Karrierechancen zu ermöglichen, statt Abhängigkeiten zu schaffen.
Der Kodex wurde im Jahr 2022 evaluiert. Die Evaluation zeigt, dass Veränderungsprozesse andauern. Der Anteil der unbefristeten Stellen ist gestiegen. Neue Formen des Austausches zwischen Beschäftigungsvertretungen und Hochschulleitungen haben die Zusammenarbeit gestärkt. Auch die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten nehmen teilweise ab. Gleichzeitig zeigt die Evaluation große Wahrnehmungsunterschiede zwischen Beschäftigtenvertretungen und Hochschulleitungen. Zudem weisen die Fakultäten im Vergleich zueinander Unterschiede in der Umsetzung und der Setzung der Schwerpunkte auf.
Politische Entscheidungen sind für die Umsetzung des Kodex maßgeblich. Die Hochschule Bremerhaven, wie auch die Hochschule Bremen gaben an, sich eher an den politischen Richtlinien zu orientieren als an den Vorgaben des Rahmenkodex. Auch um diesen Konflikt zu beheben, hat sich 2023 die Bremische Bürgerschaft mit dem sechsten Hochschulreformgesetz klar zum Rahmenkodex bekannt und seine regelmäßige Evaluation und Weiterentwicklung in das Bremische Hochschulgesetz aufgenommen, ohne den Einzelvereinbarungen des Kodex dadurch Gesetzesrang zu verleihen. Seine Bedeutung als Handlungsrichtlinie für die Hochschulen wurde so nochmals gestärkt.
Die Diskussion über gute Arbeitsbedingungen in der Wissenschaft wird derzeit zudem durch die angekündigte Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes (WissZeitVG) geprägt. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen nach verlässlichen Karrierewegen, längeren Vertragslaufzeiten, mehr Dauerstellen für Daueraufgaben sowie einer stärkeren Eigenständigkeit wissenschaftlicher Beschäftigter jenseits der Professur. In diesem Zusammenhang wird bundesweit auch über Department-Strukturen und alternative Personalmodelle diskutiert, die wissenschaftliche Karrieren planbarer gestalten und Abhängigkeiten von einzelnen Lehrstühlen reduzieren sollen. Vor dem Hintergrund der besonderen Rolle Bremens als Vorreiterland bei der Umsetzung guter Beschäftigungsbedingungen stellt sich die Frage, wie der Senat diese Debatten bewertet und welche Schlussfolgerungen er für die Weiterentwicklung der bremischen Hochschulstruktur zieht.
Aus all diesen Gründen ist es bedeutend, einen Eindruck der derzeitigen Lage zu guten Arbeitsbedingungen der Beschäftigten an den staatlichen Bremischen Hochschulen zu bekommen.
Wir fragen den Senat:
Dr. Franziska Tell, Dr. Emanuel Herold und Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Janina Strelow, Mustafa Güngör und Fraktion der SPD
Tim Sültenfuß, Sofia Leonidakis, Nelson Janßen und Fraktion Die Linke