
Große Anfrage der Fraktionen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, der SPD und die Linke
Die bedarfsgerechte Erfüllung von Betreuungsansprüchen ab dem vollendeten ersten Lebensjahr ist nicht nur eine rechtliche Verpflichtung, sondern auch ein Kernanliegen gerechter Sozial-, Gleichstellungs- und Arbeitspolitik. Noch immer lastet der Großteil der unbezahlten Care-Arbeit, in der auch die Kinderbetreuung zu verorten ist, auf den Schultern von Frauen, denen dadurch wertvolle Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten verwehrt bleiben. Für viele Eltern ist es außerdem vor dem Hintergrund steigender Lebenshaltungskosten schwer bis unmöglich, längerfristig auf einen Teil eines Einkommens oder auf ein ganzes Einkommen zu verzichten. Besonders groß sind diese Herausforderungen für Alleinerziehende, oft Frauen, die besonders stark von Armut betroffen sind. Der sozioökonomische Status der Eltern bildet darüber hinaus einen entscheidenden Unterschied für die Zukunftschancen der Kinder. Eine gute frühkindliche Bildung ist daher eine grundlegende Basis für ein gleichberechtigtes Heranwachsen und einen erfolgreichen Bildungsweg.
Nach wie vor steht Bremen hier vor großen Herausforderungen: Bei der höchsten Geburtenrate bundesweit für das Jahr 2023 sieht sich die Stadt in einigen Bereichen immer noch mit einem Fachkräftemangel in der Kindertagesbetreuung konfrontiert. Trotz gezielter Maßnahmen, gerade die Eltern besonders anzusprechen, die bislang noch nicht gut erreicht wurden, liegt Bremen überdies hinter dem erklärten Ziel einer flächendeckenden Versorgungsquote von 60 Prozent im Krippen- und 100 Prozent im Elementarbereich zurück.
Während es in Bremen also nach wie vor zusätzlichen Bedarf an pädagogischen Fachkräften gibt, werden in anderen Bundesländern bereits erste Kitas geschlossen. Dort sinkt die Zahl der Kinder unter sechs Jahren gravierend, was zu einem Überangebot an Fachkräften führt. Ausgebildete Erzieher*innen werden oft nicht übernommen, erfahrene Fachkräfte verlieren ihren Arbeitsplatz oder müssen ungewollt in Teilzeit arbeiten.
Diese gegensätzlichen Entwicklungen werfen die Fragen auf: Wie steht es um die Fachkräftesituation in der Stadtgemeinde Bremen und welche Strategien verfolgt der Senat, um von dieser Dynamik zu profitieren und den künftigen Fachkräftebedarf abzusichern?
Wir fragen den Senat:
Dr. Franziska Tell, Dr. Emanuel Herold und
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Heike Kretschmann, Mustafa Güngör und Fraktion der SPD
Miriam Strunge, Sofia Leonidakis, Nelson Janßen und Fraktion Die Linke