
Das Handwerk ist eine tragende Säule im Land Bremen – nicht nur bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, sondern auch bei der Bewältigung von Zukunftsaufgaben wie Klima- oder Mobilitätswende. Trotzdem trifft der Fachkräftemangel vor allem das Handwerk; immer weniger junge Menschen werden für diese Branche begeistert. Hier soll das Freiwillige Handwerksjahr anknüpfen, für das die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Selin Arpaz, heute in der Bürgerschaft geworben hat.

Als „echtes Zukunftskonzept“ präsentierte die Abgeordnete das Freiwillige Handwerksjahr, das einen vergleichbaren Status wie das Freiwillige Soziale (FSJ) oder Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) erhalten und auch ähnlich funktionieren soll: Jungen Menschen soll ein erster Kontakt mit der Handwerksbranche ermöglicht und verschiedene Gewerbe kennengelernt werden. Das Handwerksjahr soll dabei keine Berufsausbildung ersetzen, sondern auf eine Ausbildungsentscheidung vorbereiten. Ein zentrales Element ist hier das „4×3-Modell“: Damit sind vier jeweils dreimonatige Praxisphasen in verschiedenen Gewerben gemeint, um eine bestmögliche Orientierung zu gewährleisten. „Die Teilnehmenden müssen sich also nicht sofort festlegen und können anschließend auf Grundlage eigener Erfahrungen entscheiden, welcher Weg für sie der richtige sein könnte“, so die SPD-Abgeordnete.
Das Konzept soll sich vor allem an junge Menschen nach dem Schulabschluss richten, die nach einer ersten beruflichen Orientierung suchen – aber auch Studienabbrecher sollen gezielt über das Angebot informiert werden. Zudem will die rot-grün-rote Koalition auch Maßnahmen prüfen, wie insbesondere junge Frauen, die im Handwerk noch immer stark unterrepräsentiert sind, für das Handwerksjahr gewonnen werden. Das Handwerksjahr soll bereits ab Sommer 2027 starten; bis dahin sollen Teilnehmende auch für Auszubildene und Freiwilligendienstleistende geltende Kultur- und ÖPNV-Tickets nutzen können. Auf Bundesebene soll sich der Senat dafür einsetzen, das Freiwillige Handwerksjahr mit FSJ und FÖJ gleichzusetzen.
Ein ähnliches Modell, was dem Bremer Konzept als Vorbild dient, gibt es bereits in Schleswig-Holstein. „In Lübeck wurde das freiwillige Handwerksjahr bereits eingeführt. Die Erfahrungen dort sind ermutigend: Mehr als 200 Betriebe hatten sich registriert, über 75 Jugendlichen haben im ersten Jahr an dem Modellprojekt teilgenommen – und eine Vielzahl von ihnen ging anschließend in eine Ausbildung in einem der besuchten Betriebe. Lassen Sie uns also dafür sorgen, dass die Freiwilligen von heute die Meister von morgen werden“, schloss Selin Arpaz ihr Plädoyer.